Im Jahr 2015 veröffentlichte ein internationales Expertengremium „IAD: Neue Wege für die Prävention“, ein wegweisendes Dokument, das Best-Practice-Grundsätze zusammenfasste und praktische Empfehlungen für Kliniker weltweit lieferte. Diese Veröffentlichung löste bedeutende Veränderungen in der klinischen Praxis aus, indem sie die Einführung standardisierter Definitionen und eine einheitliche Terminologie, die das Verständnis und die Behandlung der inkontinenzassoziierten Dermatitis (IAD) durch medizinisches Fachpersonal grundlegend verändert haben. Das Dokument wurde weltweit positiv aufgenommen, wurde häufig zitiert und führte zu Änderungen in der Praxis in zahlreichen Gesundheitssystemen. So führte beispielsweise in sechs klinischen Einrichtungen in Australien die Umsetzung der Empfehlungen von 2015 zu signifikanten und anhaltenden Verbesserungen der Patientenergebnisse (Barakat-Johnson et al., 2024a; Barakat-Johnson et al., 2024b). Ähnliche Auswirkungen wurden vereinzelt auch aus anderen Ländern mit hohem Einkommen berichtet.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gab es in der Behandlung von IAD erhebliche wissenschaftliche Herausforderungen, insbesondere aufgrund uneinheitlicher Definitionen und Schwierigkeiten in der Differenzialdiagnostik. Seitdem wurden erhebliche Fortschritte erzielt. Der Begriff IAD wird heute weltweit einheitlicher verwendet, wobei man sich weniger auf den ungenauen Begriff „Feuchtigkeit“ stützt, was eine verbesserte begriffliche Klarheit und eine einheitlichere Vorgehensweise in der klinischen Praxis widerspiegelt.
Trotz dieser Erfolge stellt die Fehldiagnose von IAD als Dekubitus nach wie vor ein hartnäckiges und klinisch bedeutsames Problem dar, das erhebliche Auswirkungen auf die angemessene Versorgung und Behandlung hat. Die Prävention und wirksame Behandlung von IAD sind entscheidend, um tiefere Gewebeschäden zu verhindern. In den letzten zehn Jahren hat eine wachsende Zahl von Erkenntnissen das Verständnis von IAD weiter vertieft, das Bewusstsein für dessen Prävalenz und Auswirkungen geschärft und wirksame Präventions- und Behandlungsstrategien gestärkt.
Insbesondere haben Rückmeldungen von medizinischen Fachkräften aus unterschiedlichen klinischen Bereichen und geografischen Regionen wertvolle Einblicke aus der Praxis geliefert und damit die Notwendigkeit einer Aktualisierung der Veröffentlichung aus dem Jahr 2015 unterstrichen. Als Reaktion darauf wurde im Oktober 2025 ein internationales Expertentreffen einberufen, um neu auftretende, bisher ungedeckte Bedürfnisse zu erörtern und eine Aktualisierung der ursprünglichen Veröffentlichung der „Best Practice Statement“ (BPS) für das Jahr 2026 zu erarbeiten. Es wurden weitere Experten hinzugezogen, um eine breitere globale Vertretung und eine umfassendere Perspektive zu gewährleisten.
Ziel der Aktualisierung für 2026 ist es, die neuesten Erkenntnisse zusammenzufassen und in praktische, klinisch relevante Empfehlungen umzusetzen, um Kliniker zu unterstützen, Initiativen zur Qualitätsverbesserung und die Forschung zu fördern sowie die Behandlungsergebnisse für die Patienten zu verbessern. Das Dokument spiegelt sowohl die seit 2015 erzielten erheblichen Fortschritte als auch den anhaltenden Bedarf an Innovation und Weiterentwicklung in der Versorgung von Patienten mit IAD wider.
Diese Aktualisierung soll medizinischem Fachpersonal ein klares und umfassendes Verständnis der aktuellen Situation der IAD Versorgung und ihrer Auswirkungen auf Patienten und Pflegekräfte vermitteln. Zudem werden darin anhaltende Hindernisse aufgezeigt, die ein optimales IAD-Management in der täglichen Praxis verhindern. Das übergeordnete Ziel besteht darin, evidenzbasierte bewährte Verfahren zu vermitteln, die die Identifizierung von Risikogruppen, die Umsetzung wirksamer Präventionsstrategien, eine genaue IAD-Klassifizierung sowie geeignete Behandlungsansätze aufzeigt. Schließlich zielt diese Publikation darauf ab, medizinisches Fachpersonal, Pflegepersonal, politischen Entscheidungsträgern, Patienten und pflegenden Angehörigen gezielte Informationen zu vermitteln, um die Behandlungsergebnisse zu verbessern und somit die Lebensqualität zu steigern.
Prof. Dr. Dimitri Beeckman (Vorsitzender)
Prof. Dr. Michelle Barakat-Johnson (stellvertretende Vorsitzende)
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