Wundbalance

19 February 2026
Es besteht weltweit dringender Handlungsbedarf, dem erwarteten Anstieg schwer heilender Wunden durch frühzeitiges Eingreifen, effektiven Ressourceneinsatz und eine patientenzentrierte Versorgung entgegenzuwirken (Guest et al, 2020; Ahmajärvi et al, 2022; Queen und Harding, 2023; Sen, 2023). In einer kürzlich veröffentlichten Konsenserklärung der World Union of Wound Healing Societies (WUWHS) wird das Konzept der Wundbalance als strategischer Ansatz für die Behandlung von schwer heilenden und komplexen Wunden vorgestellt (WUWHS, 2025). Dieser vereinfachte Leitfaden beschreibt das Konzept der Wundbalance und fasst die wichtigsten Empfehlungen der WUWHS zu dessen Umsetzung zusammen.

Was ist Wundbalance und wie hilft sie dem medizinischen Fachpersonal bei der Behandlung komplexer Wunden? 

Das Konzept der Wundbalance umfasst alle relevanten Faktoren, die eine kontinuierliche und personalisierte Versorgung gewährleisten, die klinische Entscheidungsfindung leiten und Ungleichgewichte angehen, die zur Komplexität oder Chronizität von Wunden beitragen (Wounds International, 2023).

Die Wundbalance [Abbildung 1] unterstreicht einen ganzheitlichen Ansatz, der dem medizinischen Fachpersonal dabei hilft, Hindernisse für die Heilung zu erkennen und zu beseitigen. Sie bietet Einblicke, warum bestimmte Wunden komplex werden und letztendlich schwer heilen (WUWHS, 2025). 

Um optimale Heilungsergebnisse zu erzielen, müssen die drei Kategorien von Wundheilungshindernissen identifiziert werden. [Abbildung 2]

Sind die Wunden komplex oder schwer heilend? 

Die Uneinheitlichkeit der Terminologie kann für das medizinische Fachpersonal verwirrend sein und bei den Patienten negative Assoziationen hervorrufen. So suggeriert beispielsweise der Ausdruck „Wunde schwer geheilt“ dem Patienten, dass die Wunde wahrscheinlich niemals heilen wird. Nicht alle komplexen Wunden werden zu schwer heilenden oder chronischen Wunden; dennoch erfordern sie alle eine vorrangige Versorgung. Da jede schwer heilende, chronische Wunde als kleine Wunde beginnt, ist ein frühzeitiges Eingreifen unerlässlich, um Komplikationen zu vermeiden und eine optimale Heilung zu fördern. 

Empfehlung der WUWHS: Das Konzept der Wundbalance erfordert, dass medizinisches Fachpersonal alle wund- und patientenbezogenen Faktoren entsprechend den Bedürfnissen des Patienten im jeweiligen klinischen Umfeld beurteilen und die Heilungshindernisse identifizieren. 

Die Verwendung einheitlicher Sprache und Terminologie kann zu besseren Behandlungsergebnissen bei Patienten beitragen und das medizinische Fachpersonal bei der Durchführung rechtzeitiger Interventionen unterstützen. Bisher wurden diese Wunden als „schwer heilend“ oder „chronisch“ bezeichnet. 

Empfehlung der WUWHS: Das Expertengremium stimmte zu, dass die Definitionen der Wundchronizität überarbeitet werden sollten, und befürwortete die Verwendung des Begriffs „komplexe Wunden“.

Die von der WUWHS empfohlenen Instrumente zur Erreichung der Wundbalance

Frühe Identifizierung von Risikofaktoren und genaue Beurteilung
Das TIMERS-Rahmenkonzept – Tissue, Infection/Inflammation, Moisture, Edge, Repair/Regeneration und Social (Gewebe, Infektion/Entzündung, Feuchtigkeit, Rand, Reparatur/Regeneration und Soziales) – wurde vom WUWHS-Gremium als Mittel zur Ermöglichung einer zeitnahen und wirksamen Intervention empfohlen [Kasten 1; Lumbers, 2019]. Zusätzlich zur Beurteilung des Wundbetts berücksichtigt TIMERS auch soziale Faktoren, die sich auf die Lebensqualität und die Heilung eines Patienten auswirken können. Somit bietet das Rahmenkonzept einen ganzheitlichen Ansatz, der die Berücksichtigung der Wundbalance in der alltäglichen klinischen Praxis unterstützt (Lumbers, 2019; National Library of Medicine). [NLM], 2025).

Rechtzeitige und konsequente Intervention mit Superabsorber-Polymer-Wundauflagen (SAP)
Um eine Wundbalance zu erreichen, sollten praktische Maßnahmen ergriffen werden, mit denen heilungshemmende Faktoren reduziert werden. Dazu gehören die konsequente und angemessene Entfernung von überschüssigem Exsudat (das Heilungshemmer enthält) oder der Bakterienlast bei gleichzeitigem Schutz der Wunde und der Wundumgebung. 

Reduzierung der Komplexität der Wundversorgung
Das WUWHS-Gremium befand das Konzept der Wundbalance für intuitiv und stellte fest, dass es dazu beiträgt, die Komplexität zu reduzieren, die häufig mit der Wundversorgung verbunden ist. Die Wundbalance erleichtert die Auswahl des richtigen Verbands, insbesondere in Kombination mit anderen Behandlungen wie der Kompressionstherapie. Die Mitglieder des Gremiums sprachen sich für die Verwendung eines einzigen Verbandtyps zur Unterstützung der Wundheilung aus und betonten, dass SAP-Verbände den Verlauf der Wundheilung wiederherstellen [Abbildungen 3–5].

Débridement
Das Wunddébridement ist eine medizinische Technik, die darauf abzielt, ein komplexes, schwer heilendes Wundmilieu in ein akutes Wundmilieu umzuwandeln und so den Heilungsprozess zu unterstützen (WUWHS, 2025). 

Das Expertengremium hob hervor, dass medizinisches Fachpersonal, das in der Primärversorgung/tätig ist, häufig nicht für die sichere Durchführung eines intensiven Débridements ausgebildet oder zugelassen ist und dass ein autolytisches Débridement (z. B. mittels hydroaktiver Wundauflagen) für ihre Patienten möglicherweise die sinnvollste Option darstellt. Hydroaktive Wundauflagen befeuchten die Wunde und ermöglichen so ein autolytisches Débridement [Abbildung 5]. Das Konzept der Wundbalance unterstützt medizinisches Fachpersonal dabei, die Ziele der Patienten und die klinischen Anforderungen (z. B. Reduzierung von nekrotischem Gewebe, Keimbelastung und/oder Entzündungen) aufeinander abzustimmen.

Die Empfehlungen der WUWHS zur Erzielung der Wundbalance mit SAP-Verbänden 

Auf der Grundlage von Fallstudien berichtete das WUWHS-Gremium über seine klinischen Erfahrungen mit der Anwendung des Wundbalance-Konzepts unter Verwendung von SAP-Verbänden (die Empfehlungen sind in den Abbildungen 3 bis 5 zusammengefasst). SAP-Verbände sind für alle Wundursachen, in allen klinischen Umgebungen und während des gesamten Wundheilungsprozesses anwendbar und bieten folgende Vorteile: 

  • Weniger häufige Verbandwechsel erforderlich (die Kontinuität der Behandlung kann auch die Patientenzufriedenheit und -mitwirkung verbessern). 
  • Kontrolle heilungshemmender Faktoren (z. B. Matrix-Metalloproteinasen)
  • Verbesserung der Lebensqualität der Patienten 
  • Patienten bleiben arbeitsfähig 
  • Verbesserung der Lebensaktivitäten 
  • Erhöhte Patientenmitwirkung 
  • Erweiterte finanzielle Vorteile für Patienten aufgrund der geringeren Anzahl von Verbandwechseln und der reduzierten Anzahl erforderlicher Verschreibungen. 

Das Expertengremium stellte fest, dass SAP-Verbände ihrer Erfahrung nach [Abbildungen 6–8] eine wirksame Lösung für Wunden anbieten, die keiner dringenden Untersuchung bedürfen. Die hohe Saugfähigkeit und die einfache Handhabung verhindern Mazeration, wodurch weniger Verbandwechsel erforderlich sind. Dies wiederum trage
zu Kosteneinsparungen bei und verringere die Notwendigkeit täglicher Klinikbesuche.

Das Gremium betonte außerdem die besondere Bedeutung der Anwendung von SAP-Verbänden in Verbindung mit einer Kompressionstherapie. Da Wunden mit geringer Exsudatbildung nach Beginn der Kompression feuchter werden könnten, was zu Unbehagen und einer verminderten Therapietreue der Patienten führen könne, unterstützten SAP-Verbände das effektive Management von Exsudat und erhöhten den Patientenkomfort.

Verbesserung der Lebensqualität durch Wundbalance 

Die Verbesserung der menschlichen Lebensqualität ist von grundlegender Bedeutung für die Herstellung einer Wundbalance. Menschen mit schwer heilenden Wunden sehen sich oft mit täglichen Herausforderungen konfrontiert, die ihre gewohnten Aktivitäten und ihr psychisches Wohlbefinden beeinträchtigen (Wounds International, 2023). Eingeschränkte Mobilität, Schmerzen und die Belastung durch austretendes Exsudat und unangenehmen Geruch können zu sozialer Isolation, Angstzuständen, Depressionen und einer Abkehr von der Pflege führen (Olsson et al., 2019; Zhu et al., 2022). Daher sind auf
die Lebensqualität ausgerichtete Maßnahmen von zentraler
Bedeutung für eine ausgewogene, patientenorientierte Versorgung (Wounds International, 2023). 

Mit seinen effektiven, ganzheitlichen und erschwinglichen Behandlungsoptionen kann das Konzept der Wundbalance Patienten helfen, diese Ziele zu erreichen.

Empfehlung der WUWHS: Das Expertengremium empfahl, dass Patienten, die sozial isoliert sind oder keinen Zugang zu angemessener Wundversorgung haben, entsprechend geschult werden sollten, damit sie ihre Wundversorgung erfolgreich selbst durchführen und Heilung erreichen können.

Effektive Kommunikation mit Patienten

Der klinische Versorgungsaspekt des Konzepts der Wundbalance unterstützt Ärzte dabei, Entscheidungsparameter zu priorisieren und gleichzeitig die Patienten bei allen Maßnahmen in den Mittelpunkt zu stellen. Das WUWHS-Gremium betonte, dass Angehörige der Gesundheitsberufe sicherstellen müssen, dass Patienten während der gesamten Untersuchung und Behandlung informiert und einbezogen werden und eine klare Einwilligung erteilen. 

Empfehlung der WUWHS: Die Aufklärung sollte durch leicht verständliche Ressourcen erfolgen, sowohl mündlich als auch schriftlich. Dabei sollten die Patienten dazu ermutigt werden,
zu bestätigen, dass sie alles verstanden haben. 

Mit seinem ganzheitlichen, praktischen und kosteneffektiven Ansatz unterstützt das Konzept der Wundbalance Patienten dabei, erfolgreiche Heilungsergebnisse zu erzielen.

Vorteile der Implementierung des Konzepts der Wundbalance 

Die Integration des Wundbalance-Konzepts in die tägliche Praxis ermöglicht es medizinischem Fachpersonal, die Wunde in einen Heilungszustand zu überführen. SAP-Verbände unterstützen dieses frühe Eingreifen durch ihren spezifischen Wirkmechanismus, indem sie das Ungleichgewicht kritischer Biomarker ausgleichen, die bei einem Übermaß die Wundheilung hemmen. 

Zusammenfassung 

Die frühzeitige Herstellung einer Wundbalance durch evidenzbasierte Maßnahmen wie SAP-Verbände ist in der Routineversorgung ein erreichbares Ziel. Sie verbessert die Heilung, reduziert den Zeitaufwand für das medizinische Personal und spart Kosten, da weniger Verbände benötigt werden. Das von den Experten der WUWHS empfohlene Konzept der Wundbalance [Abbildung 9] unterstützt medizinisches Fachpersonal dabei, die Ziele der Patienten und die klinischen Anforderungen (z. B. Reduzierung von nekrotischem Gewebe, Keimbelastung und/oder Entzündungen) aufeinander abzustimmen. Es hat sich gezeigt, dass dieses Konzept die Behandlungsergebnisse bei allen Wundursachen und in allen klinischen Umgebungen verbessert (WUWHS, 2025).

Disclaimer: This resource is supported by HARTMANN.
References

Ahmajärvi K, Isoherranen K, Venermo M (2022) Cohort study of diagnostic delay in the clinical pathway of patients with chronic wounds in the primary care setting. BMJ Open 12(11): e062673

Guest JF, Fuller GW, Vowden P (2020) Cohort study evaluating the burden of wounds to the UK’s National Health Service in 2017/2018: update from 2012/2013. BMJ Open 10: e045253

Lumbers M (2019) TIMERS: undertaking wound assessment in the community. Br J Community Nurs 24(Sup12): S22-5

National Library of Medicine (2025) Wound Assessment. Available at: https://pubmed.ncbi. nlm.nih.gov/29489199/ (accessed 20.06.2025)

Olsson M, Järbrink K, Divakar U et al (2019) The humanistic and economic burden of chronic wounds: a systematic review. Wound Repair Regen 27(1): 114-125

Queen D, Harding K (2023) What’s the true costs of wounds faced by different healthcare systems around the world? Int Wound J 20(10): 393538

Sen CK (2023) Human Wound and Its Burden: Updated 2022 Compendium of Estimates. Adv Wound Care 12: 657-70

Wounds International (2023) Wound Balance: achieving wound healing with confidence. Wounds International, London. Available to download from www.woundsinternational.com

World Union of Wound Healing Societies (2025) Implementing Wound Balance: Outcomes and future recommendations. London: Wounds International. Available at: www.woundsinternational.com

Zhu X, Olsson MM, Bajpai R (2022) Health-related quality of life and chronic wound characteristics among patients with chronic wounds treated in primary care: A cross-sectional study in Singapore. Int Wound J 19(5): 1121-32

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