eurteilung und Diagnose
Die Wundheilung sollte ganzheitlich sein und die gesamte Patient*in berücksichtigen, einschließlich folgender Faktoren:
- Allgemeine Gesundheit
- Umwelt
- Wunde oder Hauterkrankung
- Individuelle Bedürfnisse
Bei dieser ganzheitlichen Beurteilung sollte auch der Hautton berücksichtigt werden, da verschiedene Hauttöne unterschiedlich auf Verletzungen und Behandlungen reagieren.
Ermittlung des Hauttons
Das Tool zur Beschreibung des Hauttons (nach Ho und Robinson, 2015; Abbildung 1) kann verwendet werden, um den Basis-Hautton zu ermitteln. Dies hat sich als wirksamer erwiesen, als Patient*innen zu bitten, einen potenziell subjektiven Begriff zur Beschreibung ihres eigenen Hauttons zu wählen. Der Hautton des Tools sollte so gewählt werden, dass er dem Hautton an der Innenseite des Oberarms der Patient*in am besten entspricht.
Erythem
Veränderungen der Hautfarbe, die durch eine erhöhte Durchblutung verursacht werden, werden als Erythem bezeichnet (British Association of Dermatologists, 2021) und dienen häufig zur Erkennung infizierter oder anomaler Hautbereiche. Diese Veränderungen der Hautfarbe können als „Rötung“ bezeichnet werden, jedoch treten Erytheme bei vielen Hauttönen nicht als Rötung auf [Abbildung 2], d. h. medizinische Fachkräfte sollten auf weitere Veränderungen achten.
Um andere Veränderungen als „Rötungen“ zu erkennen, kann es sinnvoll sein, die Haut mit einer anderen Körperstelle zu vergleichen. Wenn zum Beispiel ein Gliedmaß betroffen ist, vergleichen Sie dessen Aussehen mit dem des anderen Gliedmaßes.
Bei der Beurteilung der Haut von Patient*innen ist es auch wichtig, darauf zu achten, was für sie normal ist. Bei einigen Patient*innen kann zum Beispiel die altersbedingte Pigmentierung eine natürliche Erscheinung sein.
Berührung und Temperatur
Bei dunkler Haut kann ein Erythem leicht übersehen werden. Daher ist es wichtig, andere Anzeichen wie Schwellungen als Indikatoren zu verwenden und die Patient*innen nach Symptomen zu fragen, die nicht sofort sichtbar sind, wie Schmerzen oder allgemeines Unwohlsein. Dies ist besonders wichtig, wenn eine schwerwiegende Diagnose wie beispielsweise eine Zellulitis vermutet wird. Bei einer Zellulitis fühlt sich die Haut bei Berührung straffer an.
Auch die Temperatur der Haut kann ein nützlicher Indikator sein. Wärme kann durch Berührung [Abbildung 3] oder, wenn mehr Genauigkeit erforderlich ist, durch ein Infrarotthermometer festgestellt werden.
Fotografie
Die Fotografie kann ein nützliches Hilfsmittel sein, um Hautveränderungen zu überwachen oder den Heilungsverlauf zu beobachten.
Bei dieser Art des Fotografierens ist eine gute, natürliche Beleuchtung wichtig. Es wird empfohlen, beim Fotografieren einer Wunde eine kalibrierte Farbtafel zu verwenden, um sicherzustellen, dass die aufgenommenen Farben originalgetreu sind (Institute of Medical Illustrators, 2019).
Kommunikation und Sprache
Eine gute Kommunikation mit den Patient*innen ist von entscheidender Bedeutung, sowohl für eine gesunde Beziehung zwischen Arzt und Patient*in als auch für die Verbesserung der Behandlungsergebnisse. Es ist von entscheidender Bedeutung, die Perspektive der Patient*innen sowie ihre Gedanken und Gefühle in Bezug auf ihre Wunde und ihren allgemeinen Hautzustand zu verstehen.
Sprache
Sprachbarrieren können die Qualität der Gesundheitsversorgung beeinträchtigen. Wenn möglich, sollten Dolmetscherdienste in Anspruch genommen werden. Es hat sich gezeigt, dass Tools wie „Google Translate“ die Patientenzufriedenheit und die Gesundheitsversorgung verbessern (Al Shamsi et al., 2020).
Letztendlich liegt es in unserer Verantwortung als medizinische Fachkräfte, so zu kommunizieren, dass die Patient*innen es leicht verstehen. Achten Sie auf Ihren Tonfall, sprechen Sie langsam und verwenden Sie Bilder oder ausdrucksstarke Gesten, wenn die Sprache ein Problem darstellt. Kasten 2 enthält Beispiele für Fragen, die Sie sich selbst und den Patient*innen im Rahmen einer Hautuntersuchung stellen können.
Es ist wichtig, der Familie der Patient*in, dem Pflegepersonal und/oder den Verwandten zuzuhören und sie nach Möglichkeit einzubeziehen, um sicherzustellen, dass jeder die Behandlung und seine Rolle dabei versteht [Kasten 2].
Hautton-Beschreibungen
Auch wenn Sprachen weltweit offensichtlich unterschiedlich sind, ist es grundsätzlich wichtig, eine klare und aktuelle Sprache zu verwenden.
Obwohl es derzeit keinen standardisierten Ansatz zur Beschreibung von Hautfarben gibt, muss die Sprache der medizinischen Fachkräfte respektvoll, einfach, professionell und neutral sein. Wenn Sie etwas nicht wissen, sollten Sie die Patient*in fragen, anstatt Vermutungen anzustellen.
Es gibt einen Unterschied zwischen Hautton und ethnischer Zugehörigkeit; nicht alle schwarzen Menschen haben einen dunklen Hautton. Verwenden Sie Begriffe wie „braun“ oder „schwarz“, um Hauttöne zu beschreiben – und nicht „dunkler“, was impliziert, dass weiße Haut die Ausgangsbasis oder Norm ist.
Vermeiden Sie die Verwendung von Metaphern oder Gleichnissen bei der Beschreibung des Hauttons, z. B. den Vergleich von Hauttönen mit Lebensmitteln. Verwenden Sie stattdessen ein validiertes Klassifizierungsinstrument wie das Tool zur Beschreibung des Hauttons (Wounds UK, 2021).
Die Bedeutung einer inklusiven Gesundheitsversorgung
Die gesamte Gesundheitsversorgung sollte alle Patient*innen einbeziehen und individuell auf sie zugeschnitten sein. Um inklusiv zu sein, sollten alle medizinischen Fachkräfte so kulturbewusst und gebildet wie möglich sein, damit sie gut gerüstet sind, um allen Menschen individuell zu helfen. Alle Patient*innen müssen sich unterstützt fühlen und in der Lage sein, um Hilfe zu bitten (World Union of Wound Healing Societies [WUWHS], 2020).
Der britische General Medical Council (UK GMC; 2019) betont die Bedeutung guter Kommunikation, Mitgefühl und Vertrauen sowie praktischer Strategien für den Fall, dass etwas schiefgeht [weitere Hinweise siehe Kasten 3].
Patientenaufklärung
Die Kommunikation sollte auf die zu behandelnde Person zugeschnitten sein und ihre Fähigkeiten und ihr Verständnis berücksichtigen. Manchmal müssen Mythen über Wunden und deren Behandlung ausgeräumt werden (z. B. dass eine Wunde „Luft braucht“ und nicht abgedeckt werden sollte).
Die Behandlungsergebnisse werden verbessert, wenn die Patient*innen ihre Behandlung und die Gründe dafür verstehen (Sandy-Hodgetts et al., 2022). Für manche Menschen muss die Gesundheitsversorgung ein Kompromiss sein und es müssen realistische Ziele gesetzt werden.
Wichtig ist, nicht zu vergessen, dass bei manchen Therapien (z. B. Kompressionstherapie) „etwas Versorgung besser ist als gar keine Versorgung“. Nicht jeder Teil der Behandlung kann kontrolliert werden, und wir müssen möglicherweise mit Abweichungen vom Idealplan rechnen (WUWHS, 2020).
Multidisziplinärer Teamansatz
Es ist wichtig, einen multidisziplinären Ansatz zu verfolgen, um sicherzustellen, dass Patient*innen die beste Versorgung erhalten. Die Überweisung an andere Fachkräfte oder die Einbeziehung anderer Pflegeteams oder Expert*innen sollte ggf. als bewährtes Verfahren angesehen werden.
Bei Patient*innen mit Wunden ist es wichtig, die zugrunde liegenden Ursachen zu ermitteln und zu behandeln. Abteilungen wie Dermatologie, Gefäßmedizin oder Diabetesversorgung (und andere) können von Bedeutung sein, um sicherzustellen, dass Patient*innen die beste Versorgung für ihre allgemeine Gesundheit und ihr Wohlbefinden erhalten.
Globale geografische Überlegungen
In einigen Regionen der Welt müssen möglicherweise besondere Aspekte bei der Wundversorgung berücksichtigt werden. Es kann Unterschiede im Klima, in der Kultur, in den Gesundheitssystemen und in den Ressourcen geben, die sich alle auf die Patientenversorgung auswirken können.
Auch können verschiedene Wundtypen in einigen Teilen der Welt häufiger vorkommen als in anderen. So wird beispielsweise erwartet, dass Diabetes in den Regionen des westlichen Pazifiks und Südostasiens am schnellsten zunehmen wird (Nair et al., 2020), wodurch die Behandlung von diabetischen Fußgeschwüren in diesen Gebieten zu einem besonders dringenden Thema wird.
Versorgung in ressourcenarmen Gebieten
In ressourcenarmen Regionen der Welt, in denen es keinen oder nur einen eingeschränkten Zugang zu Wasser, sanitären Einrichtungen oder Standards für die Wundversorgung gibt (Toppino et al., 2022), stehen die Gesundheitssysteme vor großen Herausforderungen.
Behandelbare Verletzungen und Wunden sind die Hauptursache für Tod und Behinderung bei Menschen unter 60 Jahren in Entwicklungsländern (MacKenzie, 2000). Die grundlegenden Prinzipien der Beurteilung sind daher von entscheidender Bedeutung, insbesondere bei der Früherkennung einer Infektion, wobei der Schwerpunkt auf der Wahrnehmung von Anzeichen und Symptomen bei allen Hauttönen liegt, wie z. B. Schmerzen, Hitze und Rötungen.
Gemeinschaft und traditionelle Medizin
Bei allen Patientengruppen ist es wichtig, dass die individuellen kulturellen Überzeugungen der Patient*innen respektiert werden und dass die Versorgung bei Bedarf entsprechend angepasst wird. In einigen Kulturen kann Misstrauen gegenüber der „Schulmedizin“ herrschen, so dass es notwendig ist, mit den Patient*innen auf einer Ebene zu arbeiten, die für sie angenehm ist (Sandy-Hodgetts et al., 2022).
Es ist wichtig, kulturell sensibel zu sein und die Glaubenssysteme aller Patient*innen zu berücksichtigen. In einigen Fällen kann es notwendig sein, mit „traditionellen“ Heiler*innen oder anderen Persönlichkeiten innerhalb der Gemeinschaft der Patient*in zusammenzuarbeiten (Sandy-Hodgetts et al., 2022).
Die Auswirkungen des Klimas
Das Klima kann sich auf Wunden und Verbände auswirken.
Heißes und/oder feuchtes Klima kann die Haftung des Verbandes beeinträchtigen und sich möglicherweise auf die Auswahl des Verbandes auswirken. Außerdem kann dies das Risiko einer Mazeration der Haut in der Wundumgebung erhöhen, wodurch eine Überwachung und ein Schutz erforderlich werden (Sandy-Hodgetts et al., 2022).
Ein feuchtes Klima kann auch das Risiko von Pilzinfektionen erhöhen. Pilzinfektionen der Haut zeigen sich bei verschiedenen Hauttönen auf unterschiedliche Weise. Eine Pilzüberwucherung führt dazu, dass kleine Hautpartien heller oder dunkler werden als der Rest der Haut. Bei hellen Hauttönen können die Hautstellen in der Regel rosa, gelb, rot oder blassbraun erscheinen. Bei dunklen Hauttönen können verfärbte Hautstellen in der Regel heller als der Hautton oder weiß bzw. grau erscheinen.
In vielen heißen und feuchten Ländern ist es üblich, barfuß zu gehen. Praktiken wie das Barfußlaufen auf heißen Oberflächen wie Sand (Harkin, 2010) bergen das Risiko von Verletzungen an den Füßen und der Entstehung von Fußgeschwüren, insbesondere bei Menschen mit Diabetes.
Die Diagnose einer Infektion oder Ischämie bei Menschen mit diabetischen Fußgeschwüren und dunklem Hautton kann aufgrund der fehlenden Farbveränderung und der Unmöglichkeit, eine Lymphangitis zu erkennen, schwierig sein. Bei der Beurteilung von diabetischen Fußgeschwüren sollten alle Farbveränderungen beachtet werden, nicht nur die „Rötung“, die bei hellen Hauttönen üblich ist. Die medizinische Fachkraft sollte auch auf Schwellungen, Wärme und Schmerzen achten (Wang et al., 2020). Schwere diabetische Fußgeschwüre bei Patient*innen mit dunklem Hautton können sich durch schwarze oder braune Schorfbildung über dem Geschwür zeigen.
Wenn der Zugang zu einer medizinischen Fachkraft nicht ohne Weiteres möglich ist, insbesondere in ländlichen und abgelegenen Gebieten, müssen diese Fachkräfte Patient*innen und Menschen mit Diabetes anweisen, ihre gesamten Füße, einschließlich der Unterseite, regelmäßig mit einem Spiegel zu untersuchen und dabei auf Schwellungen, Farbveränderungen oder Blutungen zwischen den Zehen zu achten (Khunkaew et al., 2019).
Es ist auch wichtig, Patient*innen zu ermutigen, geeignetes, gut sitzendes Schuhwerk zu tragen, zu kleine, enge oder an bestimmten Stellen des Fußes scheuernde Schuhe zu vermeiden und nicht barfuß zu gehen (Gulf Diabetic Foot Working Group, 2017).
Kaltes Klima kann sich auch auf Wunden und Verbände auswirken und zu Problemen wie trockener und rissiger Haut führen, wobei niedrige Luftfeuchtigkeit zu trockener Luft führt, die der Haut Feuchtigkeit entzieht.
Sonnenbrand
In manchen Klimazonen sind Schäden durch Sonneneinstrahlung ein großes Problem.
Es ist ein Irrglaube, dass Menschen mit dunkler Haut sich nicht vor der Sonne schützen müssen, keinen Sonnenbrand bekommen und keinen Hautkrebs entwickeln. Das ist nicht der Fall.
Melanin, ein braunes Pigment, verleiht der Haut ihre Farbe. Melanin absorbiert die ultraviolette (UV) Strahlung der Sonne und schützt die Haut. Dunkle Haut produziert und konzentriert mehr Melanin in der Epidermis und absorbiert somit UV-Strahlen effektiver als helle Haut (Ho und Robinson, 2015; Gupta und Sharma, 2019). Das bedeutet jedoch nicht, dass Menschen mit dunkler Haut vollständig UV-resistent sind.
Hautkrebs, Sonnenbrand und Abschuppen der Haut treten auch bei Menschen mit dunkler Haut auf, wenn auch in geringerem Maße als bei hellhäutigen Menschen (Battie et al., 2013). Allerdings wird die Diskrepanz bei den Hautkrebsraten weitgehend auf eine verzögerte Diagnose zurückgeführt.
Medizinische Fachkräfte sollten Menschen aller Hauttöne über die Risiken übermäßiger Sonnenexposition und die Bedeutung des Sonnenschutzes (Kleidung und Sonnenschutzmittel) aufklären.
Außerdem sollten medizinische Fachkräfte wissen, wie sich Hautkrebs bei verschiedenen Hauttönen äußert, um eine späte Diagnose zu vermeiden.
Aufhellen der Haut
Hautaufhellung ist eine beliebte Praxis, die viele Menschen auf der ganzen Welt betrifft, insbesondere Frauen in Afrika, Nordamerika, Europa, Asien und dem Nahen Osten (Masub und Khachemoune, 2022), die künstlich einen helleren Hautton erreichen oder das Erscheinungsbild von Hautunreinheiten verbessern möchten. Dabei können Hautcremes, Seifen und Injektionen zum Einsatz kommen, die nicht zugelassene Chemikalien enthalten, die in der Anwendung unsicher sein können.
In einigen Regionen und Kulturen können diese Praktiken zur Veränderung des Teints mit einem Stigma behaftet sein, sodass die Menschen dies bei der Hauttonuntersuchung möglicherweise nicht zugeben wollen. Medizinische Fachkräfte sollten ein Umfeld schaffen, in dem sich die Patient*innen unterstützt und wohl fühlen, wenn sie Veränderungen ihrer Haut melden, einschließlich der Verwendung von hautaufhellenden oder den Teint verändernden Maßnahmen. Darüber hinaus sollten medizinische Fachkräfte eine neutrale und wertfreie Sprache verwenden, um Patient*innen über die Risiken der Hautaufhellung aufzuklären, und dabei kulturelle Praktiken berücksichtigen.
Schlussfolgerung
Eine gründliche, ganzheitliche Untersuchung und Beurteilung der Haut von Patient*innen, die auch den Hautton berücksichtigt, ist entscheidend für gute Behandlungsergebnisse.
Medizinische Fachkräfte sollten darauf achten, dass herkömmliche Beschreibungen von Hautveränderungen, wie z. B. „Rötung“, nicht auf alle Hauttöne zutreffen, und daher auf alternative Anzeichen achten, wie z. B. Veränderungen der Hauttemperatur oder des Hautgefühls.
Die Bedürfnisse von Patient*innen können je nach geografischer Region unterschiedlich sein, wobei sich unterschiedliche Klimazonen, Kulturen und Ressourcen im Gesundheitswesen auf die Wundbehandlung auswirken.